Info-Veranstaltung
„Pilotprojekt Flexible Oberstufe“


– ein Weg für zukunftsfähiges Lernen in Hamburg

Freitag, 17. April 2026 um 15.00 Uhr

Grund- und Stadtteilschule Eppendorf, Löwenstr. 58, 20251 Hamburg

Programm:

15:00 Uhr      Begrüßung und Einstimmung  Dora Heyenn (SPD), Corinna Schönfeldt (GRÜNE)

15:15 Uhr      Prof. Dr. Anne Sliwka, Universität Heidelberg „Zukunftsorientierte Bildung auch in der Sekundarstufe II – Gründe und Perspektiven“

16.00 Uhr      Praxisimpulse (sechs Arbeitsgruppen)

17.00 Uhr      Senatorin Ksenija Bekeris “Warum ein Pilotprojekt Flexible Oberstufe in Hamburg?“

17:20 Uhr      Jörg Droste, Vorsitz Flexible Oberstufe: Einordnung der Flexiblen Oberstufe in die Pädagogik der Oberstufe

17.30 Uhr      Austausch in gemischten Gruppen

17:45 Uhr      Innovationsimpulse (sechs Arbeitsgruppen)

19.00 Uhr      Abschluss im Plenum

19.30 Uhr      Fahrplan: Wie weiter – Worauf dürfen sich die Schulen einstellen

19.45  Uhr     Danksagung und Verabschiedung

Praxisimpulse

Fridolin Kuke, Abteilungsleiter Oberstufe

Der Impuls stellt die reformpädagogische Oberstufe der Winterhuder Reformschule vor und zeigt, wie Lernen in Projekten, Mitbestimmung und Eigenverantwortung ganz praktisch gelebt und weiterentwickelt werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine Oberstufe gestaltet sein muss, damit Jugendliche gut auf ein selbstbestimmtes, demokratisches und verantwortungsvolles Leben im 21. Jahrhundert vorbereitet sind.

Praxisbeispiele zeigen, wie das konkret umgesetzt wird – etwa durch Projektformate wie Einstiegsprojekte, Semesterprojekte, die Lernexpeditions-Woche (LEX) oder das AbiBarCamp.

Lisa Heinlein, didaktische Koordination im Oberstufenzentrum

Der Impuls stellt das Oberstufenkonzept der Stadtteilschule Eidelstedt vor, das selbstorganisiertes Lernen in der offenen Lernlandschaft einer Stadtteilschule mit Sozialindex 2 systematisch fördert. Selbstorganisation wird dabei im Sinne angeleiteter Eigenständigkeit nicht als Voraussetzung, sondern als Entwicklungsziel verstanden. Anhand der räumlichen Struktur – vom gemeinsamen Start in der „Klassen-Qualle“ bis zur Arbeit in funktional gestalteten Lernzonen – wird gezeigt, wie Instruktionsphasen, selbstständiges Arbeiten, Coaching und Reflexion im Fachunterricht sowie in Projektphasen sinnvoll aufeinander bezogen sind, um Eigenständigkeit zu fördern und zugleich Orientierung und Verbindlichkeit zu gewährleisten.

Sabine Güldenpfennig, Schulleiterin

Am 01.02.2025 führte das Gymnasium Bondenwald die DALTON-Pädagogik ein, um das selbstständige Lernen der Schüler*innen zu stärken. Durch die Umverteilung von Unterricht (2/3 Plenumsunterricht, 1/3 selbstständiges Lernen nach Lernplänen) praktizieren die Schüler*innen selbstständiges Lernen in 1/3 der Lernzeit jeden Tag und in allen Fächern. Die Schule befindet sich mitten im Implementierungsprozess. Dieser komplexe Entwicklungsschritt fordert das ganze System. Es werden Eindrücke und Rückmeldungen zum Prozess und dem Schulalltag mit DALTON gegeben.

Monika Stausberg, Schulleiterin; Kathleen Steller, Abteilungsleiterin Abschlüsse und Übergänge

Wir laden Sie ein, Umsetzungsbeispiele einer selbstverantworteten kompetenzorientierten individualisierten Lernkultur anzuschauen, ihre Möglichkeiten wie Grenzen zu erforschen und Transferansätze für eine flexible Oberstufe auszuloten.

Max Schipkowski; Emilia von der Burg; Sophie Schnipkereit

In dem Workshop geben wir Einblicke, wie Schüler*innenpartizipation an der Winterhuder Reformschule konkret umgesetzt wird.
Zu Beginn jedes Schuljahres findet in unserer Oberstufe eine dreiwöchige Projektphase statt – die sogenannten Einstiegsprojekte. Geplant und koordiniert wird diese Phase von Schüler*innen selbst: dem Projektrat.
Von der Wahl und Verteilung der Projektangebote über die Raumplanung bis hin zur Organisation der Abschlussfeier liegt die Verantwortung vollständig in Schüler*innenhand. Der Projektrat zeigt, wie Mitbestimmung nicht nur ermöglicht, sondern aktiv gestaltet und getragen werden kann.

Innovationsimpulse

Inge Gembach-Röntgen, Schulleiterin i.R.

Was wäre, wenn
– die Verweildauer in der Oberstufe nach den individuellen Bedarfen der Schüler*innen festgelegt werden könnte,
– Schüler*innen in Teams lernen und Prüfungen ablegen könnten,
– eine additive Aufteilung von Prüfungsleistungen im Abitur möglich wäre,
– Schüler*innen einzelne Kurse statt eines ganzen Schuljahres wiederholen könnten,
– eine freiwillige Wiederholung von Kursen zur Verbesserung von Noten möglich wäre,
– wenn statt der Stofffülle eine frühzeitige, individuelle Schwerpunktsetzung und vertiefte Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Themen möglich wäre …
Diese und andere Ideen, die in anderen Schulsystemen im In- und Ausland bereits umgesetzt werden, sollen vorgestellt, mit den Teilnehmenden diskutiert und auf notwendige Voraussetzungen überprüft werden.

Regine Walter, Initiative Flexible Oberstufe (Geschäftsstelle). Ev. Firstwald-Gymnasium Mössingen ( Lehrerin, im Schulentwicklungsteam)

Im Mittelpunkt steht zum einen ein projektbasiertes Modell einer neu gestalteten Einführungsphase, inspiriert vom irischen Transition Year. Dieses Konzept versteht die Klassenstufe 11 als pädagogisches Herzstück zwischen Mittelstufe und Kursstufe: mit mehr Praxisbezug, selbstverantwortetem Lernen, Modulen zur individuellen Förderung, Projektarbeit, Praxisphasen sowie intensiver Begleitung durch Coaching und Mentoring.
Zum anderen wird ein konkretes Umsetzungsmodell aus Baden-Württemberg vorgestellt, das in den Startlächern steht, von evangelischen und katholischen Privatschulen erprobt zu werden. Unter dem Arbeitstitel „Raus-Zeit“ ermöglicht es Schülerinnen und Schülern, einen festgelegten Zeitraum der 11. Klasse außerhalb der Schule zu lernen – etwa durch soziales Engagement, Auslandsaufenthalte, Praktika oder berufsorientierende Projekte –, eingebettet in klare schulische, curriculare und organisatorische Rahmenbedingungen des neuen G9.
Die Präsentation lädt dazu ein, beide Ansätze kennenzulernen, ihre Ziele, Strukturen und Wirkungen zu vergleichen und gemeinsam zu diskutieren, wie Oberstufe neu gestaltet werden kann: als Lernraum für Verantwortung, Selbstwirksamkeit, Demokratiebildung und zukunftsrelevante Kompetenzen.

Dr. Michaele Geweke, Stellvertretende Kollegleiterin

Für Jugendliche, die noch nicht lange in Deutschland sind, bietet das Oberstufen-Kolleg Bielefeld, Versuchsschule für die gymnasiale Oberstufe, seit nunmehr zehn Jahren einen besonderen Weg zum Abitur an. In einer auf zwei Jahre gestreckten Eingangsphase haben Kollegiat:innen die Möglichkeit, sich auf das Abitur vorzubereiten, obwohl sie noch dabei sind, Deutsch zu lernen. Dafür wurde ein spezifisches Curriculum entwickelt, auf dessen Basis die Jugendlichen gezielt auf die sprachlichen, inhaltlichen und methodischen Anforderungen der Oberstufe vorbereitet werden. In Kursen in Deutsch als Zweitsprache mit den Schwerpunkten Literatur, Politische Bildung und Naturwissenschaften, die sich an den Aufgabenfeldern der gymnasialen Oberstufe orientieren, entwickeln die Kollegiat:innen ihre (fach-)sprachlichen Kompetenzen weiter. Hinzu kommen u. a. Kurse in Mathematik, ebenfalls mit einem fachsprachlichen Fokus, und Englisch, das auf unterschiedlichen Niveaustufen angeboten wird. Ergänzt wird das Kurstableau durch eine Einführung in die Lernkultur der Oberstufe. Das Konzept der Gestreckten Eingangsphase wird im Rahmen eines Praxisforschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem kooperieren wir mit externen Partnern.

Cornelia v. Ilsemann und Jörg Droste, SL und Vorstand Flexible Oberstufe

Prüfungen prägen Unterricht, Lernkultur und den schulischen Alltag stärker als fast jedes andere Element der Oberstufe. Doch bilden klassische Klausuren und das Abitur tatsächlich die Kompetenzen ab, die junge Menschen heute und in Zukunft benötigen? Und welchen Einfluss haben Prüfungsformate auf Motivation, mentale Gesundheit und nachhaltiges Lernen?

Der Impuls nimmt die Diskussion um innovative Prüfungsformate als Ausgangspunkt, um grundlegende Fragen nach Sinn und Funktion von Prüfungen neu zu stellen. Dabei wird deutlich, dass zentrale Zukunftskompetenzen (4C+2C), Selbstregulationsfähigkeit und vertieftes fachliches Lernen in traditionellen Formaten oft nur unzureichend sichtbar werden. Es bedarf alternativer Formate, die Leistungserwartungen nicht etwa senken, sondern im Gegenteil um herausfordernde Zukunftskompetenzen erweitern. Eine veränderte Aufgabenkultur und begleitende Feedbackstrukturen sind dabei Grundvoraussetzungen.

Anhand konkreter Praxisbeispiele aus Oberstufen im In- und Ausland, wird gezeigt, wie alternative Prüfungen Lernprozesse fördern, Lehrkräfte entlasten und Teamarbeit stärken können. Auch die Rolle von KI – etwa bei Korrekturen oder in mündlichen Prüfungen – sowie aktuelle Befunde zu Mental Health, Übergangskompetenzen und Studienabbrüchen fließen ein.

Christine Prühs, Oberstufenkoodinatorin

Jahrgangsstufenübergreifendes Unterrichten in der Sekundarstufe II ist kein Selbstzweck, sondern eine Antwort auf reale schulische Anforderungen: flexible Kursgrößen, individuelle Lernwege und der Wunsch nach effizienter Ressourcennutzung.
Durch die Verbindung mehrerer Jahrgänge können Schulen Lernangebote öffnen, die sonst aufgrund geringer Anwahl oder Stundenplanzwänge nicht möglich wären. Gleichzeitig entsteht die Chance, Lernprozesse stärker projekt- und kompetenzorientiert zu gestalten.
Entscheidend ist dabei die organisatorische Passung. Dieser Vortrag stellt eine mögliche planerische Gestaltung am Beispiel der Jenaplanschule in Rostock vor und beleuchtet hierbei Vor- und Nachteile in der Umsetzung des jahrgansstufenübergreifenden Unterrichts in der Sekundarstufe II.

Dr. Kerstin Tschekan, Sachgebietsleiterin Führungskräfte- und Personalentwicklung

In der Oberstufe treffen wir auf sehr unterschiedliche Lernbiografien, Interessen und Arbeitsweisen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, dass Schülerinnen und Schüler zunehmend selbstständig lernen, Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen und gute Leistungen erbringen. Beides gehört zusammen. Wer erfolgreich studieren will, braucht Fachwissen, aber genauso die Fähigkeit, sich Inhalte eigenständig zu erschließen, Arbeit zu planen und dranzubleiben.
Der Innovationsimpuls setzt genau hier an. Im Mittelpunkt stehen zwei Fragen, die uns im Alltag oft beschäftigen:
Wie können wir die Kompetenz zum eigenverantwortlichen Lernen gezielt aufbauen und begleiten?
Und wie gestalten wir unseren Unterricht so, dass selbstständiges Lernen nicht nur erlaubt ist, sondern auch eingefordert wird?
Wir schauen gemeinsam auf konkrete Unterrichtsformate, klare Strukturen und hilfreiche Routinen. Es geht um Wege, wie Offenheit und Verbindlichkeit zusammengehen können. Ebenso darum, wie Lehrkräfte unterstützen, ohne ständig zu steuern, und wie Lernprozesse transparent und anspruchsvoll bleiben.